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    2 months ago

    Fast sämtliche Medien predigen seit Jahrzehnten ein Ideal, das grenzenlosen Egoismus zur ultimativen Freiheit verklärt, und die Politik wird nicht müde, wirklich bei jedem Scheiß ständig auch bei Dingen, die ureigene staatliche Aufgaben sind, “Eigenverantwortung” zu predigen, während sie gleichzeitig dafür sorgt, dass die Leute, die sie zur “Eigenverantwortung” auffordert, dazu gar nicht in der Lage sind.

    Der Egoist wird nie auf die Idee zu kommen, sich mit Anderen zusammenzutun, um sich gegen Ausbeutung zu wehren, er wird lieber nach unten treten, insbesondere, wenn ihm eingeredet wird, dass es ihm nur schlecht geht, weil ihm jemand, der es noch schlechter hat, Alles wegnimmt. Die neoliberale Rhetorik, die seit Jahrzehnten sozial schwache Bevölkerungsschichten gegeneinander ausspielt, funktioniert ja sehr gut.

    Das sage ich nicht. Ich sage, dass es der Gesellschaft massiv schaden wird, wenn man sich selber einfach nicht mehr an Regeln gebunden sieht. Denn, wie gesagt, denke das mal in seiner Konsequenz zu Ende: wer wird sich in so einer Welt durchsetzen, wer wird da am Ende die Hosen anhaben?

    Wir leben schon in dieser Gesellschaft. Denn nur die Leute, die sich Regelbrüche mangels Geld oder politischer Vernetzung nicht leisten können, sind noch an Regeln gebunden.

    • Quittenbrot@feddit.org
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      2 months ago

      Fast sämtliche Medien predigen seit Jahrzehnten ein Ideal, das grenzenlosen Egoismus zur ultimativen Freiheit verklärt, und die Politik wird nicht müde, wirklich bei jedem Scheiß ständig auch bei Dingen, die ureigene staatliche Aufgaben sind, “Eigenverantwortung” zu predigen, während sie gleichzeitig dafür sorgt, dass die Leute, die sie zur “Eigenverantwortung” auffordert, dazu gar nicht in der Lage sind.

      Mal ganz ehrlich: wenn ich vergleiche, welchen Sozialstaat ich im Vergleich zur Generation meiner Eltern genießen kann, dann habe ich da Schwierigkeiten zuzustimmen. Sowohl Pflegeversicherung als auch Kinderbetreuung waren bspw in den 80ern Privatsache. Wenn’s da akut wurde, hattest du halt Pech gehabt.

      Die Sozialleistungs- und Staatsquoten sind ebenfalls nicht wirklich zurückgegangen, der Staat bewegt hier sogar mehr Geld. Nur, dank demographischem Wandel, fließt heute viel mehr Geld in Renten und Gesundheitssystem. Trotz steigender Abgaben bleibt da immer weniger übrig. Den Knoten kriegst du auch nicht mehr wirklich entheddert, denn die Politik sträubt sich, dieses Problem anzugehen. Da steckt jedoch kein elaborierter Plan im Namen des Neoliberalismus hinter, sondern schlicht deren blanke Angst vor der mächtigen Wählerschicht “Rentner” und stattdessen ein gemütlich-einschläferndes “Weiter-so!”

      Wer meint, sich nicht mehr an den Regelkatalog unserer Gesellschaft halten zu müssen, handelt rein egoistisch - eine Sichtweise, die normalerweise links der Mitte verpönt ist. Wie es der Gesellschaft darüber hinaus nutzen soll, wenn sich nun jeder das Recht rausnimmt, auch dem Rest der Gesellschaft diesen “Vertrag” aufzukündigen, hat mir auch noch keiner erklären können. Ein Jens Spahn oder zwei Handvoll steuerhinterziehende Milliardäre sind für mich nicht Anlass genug, selber damit anzufangen, auf die zu scheißen, die noch mitspielen wollen beim gesellschaftlichen Miteinander.

      • RalfWausE@feddit.org
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        2 months ago

        Wie es der Gesellschaft darüber hinaus nutzen soll, wenn sich nun jeder das Recht rausnimmt, auch dem Rest der Gesellschaft diesen “Vertrag” aufzukündigen, hat mir auch noch keiner erklären können.

        Die alte Gesellschaftsordnung muss erst untergehen bevor eine neue, hoffentlich bessere entstehen kann. Je mehr Menschen (gerade aus der “Unterschicht” und der “Arbeiterklasse”) einsehen, dass auch ein Merz oder ein Palmer zum defäkieren die Hose runterziehen um so eher wird die gefühlte Autorität dieser Menschen schwinden.

        • Quittenbrot@feddit.org
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          2 months ago

          Die alte Gesellschaftsordnung muss erst untergehen bevor eine neue, hoffentlich bessere entstehen kann.

          Ich bewundere deinen Optimismus. In einem Land, in dem sich die AfD ein hauchdünnes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union um Platz 1 liefert und gleichzeitig einen Vorsprung zur nächsten demokratischen Partei hat, der der Gesamtzahl der Stimmen für die Linke entspricht, kann ich bei ‘Untergang der Gesellschaftsordnung’ kaum hoffen, dass etwas besseres kommen wird, sondern eher noch etwas viel schlechteres.